Trauerarbeit – hierfür gibt es (noch) keine Normen

Trauerarbeit – hierfür gibt es (noch) keine Normen


Immer wieder diskutieren Experten darüber, wo die Grenze zwischen normaler Trauer und einer Depression liegen. Auch hierzulande löst das Thema Diskussionen aus.

Trauernde Frau

Immer wieder diskutieren Experten darüber, wo die Grenze zwischen normaler Trauer und einer Depression liegen. Auch hierzulande löst das Thema Diskussionen aus. Und es stellt sich manchem die Frage: Wie viel Zeit darf ich mir denn eigentlich lassen, wenn ich einen geliebten Menschen verloren habe? Wie schnell muss ich wieder einsatzfähig sein in Alltag und Beruf? Und wie viel Trauer ist überhaupt noch „normal“ und für andere nachvollziehbar?

Die Meinungen weichen stark voneinander ab – ein Navajo-Indianer würde vermutlich sagen, es reichen vier Tage, um einen Toten zu beweinen. Ein südafrikanischer Zulu hingegen erwartet, dass eine Witwe in schwarzen Kleidern für ein Jahr abseits der Gemeinschaft trauert. Erfahrene Trauerbegleiter aber wissen, dass es keine Norm gibt, nach der sich jemand zu verhalten hat. Mancher Todesfall trifft uns so tief und erschüttert uns so nachhaltig, als sei ein Teil von uns selbst gestorben.

Insofern gibt es auch keinen Leitfaden, wie „man“ mit Trauer umgeht  – und keinen Weg, der eine Garantie dafür bietet, das Gefühl von Ohnmacht und Unglück möglichst rasch hinter sich zu lassen. Die in den USA angestrebte Richtlinie, jemandem bereits nach zwei Wochen eine psychische Störung zu bescheinigen, weil er depressive Symptome aufweist, erscheint uns heute noch undenkbar. In Europa gelten andere Maßstäbe, doch es wird damit gerechnet, dass diese in der Zukunft international vereinheitlicht werden.

Experten befürchten daher, dass dies der Beginn eines tiefgreifenden Kulturwandels sein könnte. Sie kritisieren, der Seelenschmerz nach dem Tod eines Partners, Kindes, Elternteils o. ä. würde zukünftig als krankhafte Störung abgestempelt werden. Ein Medikament oder eine Therapie gegen Verlustschmerz ist aber noch nicht einmal bekannt.

Manche Menschen brauchen Jahre, um sich mit ihrem Leben wieder einzurichten und sich halbwegs wohl zu fühlen. Das Leiden um den Verlust eines Menschen lässt sich nicht einfach wegtherapieren, und dagegen helfen auch keine Pillen. Offenbar haben wir verlernt, mit Krisenzeiten umzugehen, und betrachten sie nicht als zum Leben gehörend, sondern als unliebsame Unterbrechung. Im Alltag wird der Trauer wenig Platz eingeräumt – zumindest dann, wenn der erste Schock überwunden und die Beisetzung erfolgt ist. Doch erst dann beginnt die Zeit des schmerzlichen Alleinseins z. B. für eine Witwe.

Erst seit rund 25 Jahren existiert so etwas wie systematische Trauerforschung. Daher ist unser Wissen darüber, wie sich tiefe Trauer auf einen Hinterbliebenen auswirkt, nicht sehr umfassend. Kein Wunder also, dass sich auch Geistliche, Mediziner und Seelendoktoren immer noch an Vermutungen orientieren. Bereits 1915 schrieb Sigmund Freud, der „Vater der Psychoanalyse“, nach einem Verlust sei intensive Trauerarbeit angezeigt. Damals galt es als gefährlich für das Seelenheil, nicht offenkundig zu trauern oder das Gefühl der Trauer zu verdrängen. Freud vertrat die These, nur inständiges Trauern ermögliche es, „die Bindung vom geliebten Objekt völlig zu lösen“.

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